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Drop and Ride reagiert auf das Coronavirus

Drop and Ride muss das Sport- und Bildungsprogramm in Kabul an die Einschränkungen durch das Coronavirus anpassen. Dies ist eine schwierige Aufgabe, da das Projektumfeld in der krisengeplagten Stadt Kabul schon vor der Pandemie viele tägliche Herausforderungen stellt. Dennoch wurden neue Konzepte erarbeitet, um Sport in kleineren Gruppen und Bildungsangebote über das Internet bereitzustellen. Da in Afghanistan weniger als 10% der Haushalte über einen Internetzugang verfügen und die Internetverbindung oft sehr schwach ist, mussten Alternativen zu inzwischen weltweit etablierten Videomeetings erarbeitet werden.

Mitglied von Drop and Ride mit Maske auf dem Fahrrad in Kabul
Auch in Kabul gilt während der Corona-Pandemie eine strenge Maskenpflicht. ©Drop and Ride

Aufgrund der anhaltenden Corona-Pandemie musste Drop and Ride seit März alle Sport- und Bildungsaktivitäten aussetzen. Ein strikter Lockdown sollte die Ausbreitung des Virus in ganz Afghanistan und in der Hauptstadt Kabul eindämmen. Neben der anhaltenden Bedrohung durch Terroranschläge bestimmten nun das gesundheitliche Risiko und oft ausbleibendes Einkommen den Alltag vieler Familien.

Das Programm für 2020 wurde aufgrund der Corona-Pandemie angepasst

Für Drop and Ride stand 2020 eigentlich unter guten Vorzeichen – zum ersten Mal konnte die Finanzierung eines kompletten Jahresprogramms erreicht werden! Der kalte Jahresbeginn wurde genutzt, um die Umsetzung aller Aktivitäten im Laufe des Jahres detailliert zu planen. Im März 2020 wurden diese Pläne jedoch durch das  Coronavirus durchkreuzt, sodass alle Aktivitäten eingestellt werden mussten. Als sich die Dimension dieser Pandemie abzeichnete, suchte das Team hinter Drop and Ride gemeinsam mit Abasha nach Möglichkeiten, das Aktivitätenprogramm in Kabul an den neuen Alltag anzupassen. Selbst die Planung von Online-Angeboten gestaltete sich schwierig – die Internetverbindung in Kabul brach besonders bei Videokonferenzen mit dem Abasha Team immer wieder ab. Trotz der Schwierigkeiten haben wir in enger Zusammenarbeit die nötige Anpassung des Programms für 2020 erarbeitet.

Nach leichten Lockerungen des Lockdowns können die Sportangebote von Drop and Ride zunächst zwar nicht mehr in geschlossenen Räumen stattfinden, stattdessen wurden aber Fahrradtouren in kleinen Gruppen auf den Straßen Kabuls organisiert. Mit Mund-Nasen-Maske und dem gebotenen Sicherheitsabstand können so die Straßen Kabuls erkundet werden, welche aufgrund von vielen Straßensperren und Einschränkungen für den motorisierten Verkehr zurzeit wie leergefegt sind. Größere Veranstaltungen wie das geplante Sommer-Festival mit Sport und Kultur sind in absehbarer Zeit leider nicht möglich. Stattdessen sollen im Jahr 2020 vor allem Sportangebote in Kleingruppen umgesetzt werden.

Kleingruppe von Drop and Ride mit Maske auf dem Fahrrad in Kabul
In Kleingruppen mit Sicherheitsabstand und Maske macht Fahrradfahren tortzdem Spaß. ©Drop and Ride

Ein neues, digitales Bildungskonzept wurde erarbeitet

Auch die Bildungsangebote stehen vor ungewissen Zeiten. So sind Schulen und Universitäten in Afghanistan voraussichtlich bis mindestens September geschlossen. Die Regierung versucht mit Ersatzangeboten über Internet, Radio und Fernsehen alternative Bildungsmöglichkeiten anzubieten. Da in Afghanistan weniger als 10% der Haushalte Zugang zum Internet haben und die Internetverbindung oft extrem instabil ist, mussten für das Online-Bildungsangebot von Drop and Ride alternative Konzepte zu inzwischen weltweit etablierten Videomeetings erarbeitet werden.

Die Peace and Freestyle Organisation (PFO), welche das Drop and Ride Programm umsetzt, entwickelte ein angepasstes Modell, dass den Jugendlichen aus Kabul die Nutzung von Online-Kursen ermöglicht. Allen Mitgliedern von Drop and Ride wird für Bildungszwecke ein mobiles Datenvolumen von 3 GB pro Monat bereitgestellt, um einen Online-Austausch zu ermöglichen. Da Videokonferenzen aufgrund der schwachen Internetverbindung nicht möglich sind und viele Drop and Ride Mitglieder über keinen PC verfügen, wurde das Format der Online-Kurse auf das Smartphone zugeschnitten und über Chatgruppen in gängigen Nachrichtenapps organisiert. Die Kursleitung stellt im Chat regelmäßig Materialien, beispielsweise Texte, Hausaufgaben und aufgezeichnete Bildungsvideos bereit. Bei allen Unterlagen, besonders Videodateien, wird die Dateigröße für die Nutzung auf dem Smartphone optimiert.

Da zahlreiche Familien über unzureichende technische Ausstattung verfügen, wird der geplante Englischkurs über das Smartphone angeboten. ©Drop and Ride

Per Smartphone zum Englischkurs – das Coronavirus macht es möglich

Das erste Online-Bildungsangebot von Drop and Ride sind Englischkurse für Anfänger und Fortgeschrittene. Die Kurse werden von einem professionellem Englischlehrer geleitet, welcher aufgezeichnete Videopräsentationen, Lesetexte und Hausaufgaben bereitstellt. Schriftliche Hausaufgaben werden individuell korrigiert, während die Aussprache durch Sprachnachrichten und Anrufe geübt wird.

Dieses Video gibt einen kurzen Einblick in die Umsetzung des ersten Kurses. Des Weiteren sind Online-Kurse zu Themen wie weibliche Vorbilder im Sport, Fahrradreparatur, PC-Nutzung, sowie Foto- und Videobearbeitung auf dem Smartphone geplant.

Verwendung der finanziellen Mittel im Jahr 2020

Mittel, die ursprünglich für größere Veranstaltungen im Jahr 2020 vorgesehen waren, werden nun zum Ausbau der nun nochmals wichtigeren Online-Präsenz des Drop and Ride Programms und der PFO genutzt. So sollen Thematiken wie Menschenrechte oder die Gleichberechtigung von Mann und Frau in professionellen Social-Media-Kampagnen thematisiert werden. Zudem soll eine eigenständige Website geschaffen werden, damit das Projekt sich Online noch besser präsentieren kann und Direktspenden nach Afghanistan ermöglicht werden.

Die aktuellen Umstände stellen die ganze Welt vor Herausforderungen. Die PFO versucht mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, das Bildungs- und Sportprogramm auch in diesen Zeiten aufrecht zu erhalten. Abasha sieht sich für das Projekt vor Ort mehr denn je als ein Partner auf Augenhöhe, der Stabilität und partnerschaftliche Unterstützung gewährt.

Abasha hat sich zum Ziel gesetzt, jungen Sport- und Bildungsinitiativen in besonders schwierigem Umfeld auf die Beine zu helfen. Wir werden in Zukunft weitere Initiativen bei dem Aufbau stabiler und eigenständiger Projektstrukturen begleiten. Dafür brauchen wir deine Unterstützung! Gerade in diesen Zeiten hat sich das Modell der Fördermitgliedschaft als eine krisensichere Projektfinanzierung bewährt. Bereits mit 2 Euro im Monat kannst du Abasha als Fördermitglied beitreten und so jungen Sport- und Bildungsprojekten auf der ganzen Welt helfen.

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